Ein paar Grad Erwärmung sind manchmal gar nicht so schlecht (zumindest, wenn es um Wein geht). In der Tat ist die Zahl der niederländischen Winzer in den letzten 50 Jahren von einem auf über zweihundert gestiegen, was zum Teil den steigenden Temperaturen zu verdanken ist. Zusammen besitzen sie fast 350 Hektar Weinberge. OK, nicht viel im Vergleich zu Bordeaux (120.000 Hektar), aber es ist ein Anfang....
Text: Peter Bijpost
Alles begann mit der Apostelhoeve auf dem Louwberg bei Maastricht. Die Obstbauernfamilie Hulst pflanzte hier 1970 die ersten Rebstöcke. Damit folgten sie einer jahrhundertealten Tradition: Schon zur Zeit der Römer gab es in dieser Region Weinberge, die aber nach dem Mittelalter, unter anderem wegen der kleinen Eiszeit, allmählich verschwanden.
Dass die Renaissance des niederländischen Weinbaus in Limburg begann, ist nicht überraschend. Das niederländische Klima ist relativ kalt und feucht. Limburg hat mehr Sonnenstunden und etwas höhere Temperaturen. Die an Südhängen gepflanzten Trauben profitieren davon in vollem Umfang. Außerdem ist der Boden - schwarzer Humus, Löss und Mergel - ideal für Weinreben.
Dank der globalen Erwärmung verschiebt sich die Grenze, an der Weinbau möglich ist, immer weiter nach Norden. Sogar in Schweden und Norwegen gibt es inzwischen Weinberge - wenn auch in sehr begrenztem Umfang. Das niederländische Klima ist heute vergleichbar mit dem der Region Burgund vor vierzig, fünfzig Jahren. Der Klimawandel bringt jedoch auch neue Probleme mit sich: Perioden mit starken Niederschlägen, extreme Sommerhitze und lang anhaltende Trockenheit.
Die moderne Wissenschaft bietet für viele Probleme eine Hilfestellung. Seit den 1980er Jahren wurden viele so genannte Hybridrebsorten entwickelt: Kreuzungen klassischer Sorten, die widerstandsfähiger gegen Pilzkrankheiten wie Mehltau und Botrytis - charakteristisch für feuchte Klimazonen - sind und schneller reifen. Vor allem in den kühleren, feuchteren Provinzen bringen derzeit Hybridsorten wie Johanniter, Solaris, Souvignier gris und Cabernet cortis gute Ergebnisse, während im wärmeren, trockeneren Süden bekannte Rebsorten wie Riesling, Pinot gris, Pinot noir und Chardonnay gut gedeihen.
Ein weiterer Vorteil der Krankheitsresistenz der neuen Rebsorten besteht darin, dass die Reben nicht mit Chemikalien besprüht werden müssen. Die Weinberge und der Boden bleiben gesund, weshalb immer mehr Bioweine und sogar die Natur des Weines hergestellt werden.
Cuvee XII 2023, Apostelhoeve, IGP Limburg
Moderner, eigenwilliger Verschnitt aus dem ältesten niederländischen Weingut, hergestellt aus Müller-Thurgau, Grauburgunder und Auxerrois. Breiter Geschmack mit exotischen Früchten und blumigen Eindrücken. Köstlich zu Fisch, Salaten oder Spargel.
Importeur: Colaris € 21,95.
Gießtemperatur: 10-12 Grad.
Ceci n'est pas un orange 2023 Weingut Dassemus, IGP Nordbrabant
Orangefarbener Wein aus den hybriden Rebsorten Solaris, Souvignier Gris, Sauvignon Soyhières, Muscaris. Saftig, frisch und fruchtig und nur 10% Alkohol.
Importeur: Daxivin € 20,50.
Schenktemperatur: 12-14 Grad.
Raarberg Chardonnay Extra Brut 2021, Domäne Holset, IGP Limburg
Überraschend schöner Schaumwein aus Limburg mit 15 Monaten Flaschenreife. Lebendig mit feiner Säure und leichtem Holzeinfluss.
Importeur: Vinetiq € 27,50.
Gießtemperatur: 8-10 Grad.